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Am Sonntag ist das 19. Freiburger Zelt-Musik-Festival zu Ende gegangen. Das Wetter am letzten Tag war schlecht, auf dem Programm aber stand noch ein Star: GILBERT BECAUD!
73 ist er mittlerweile, der französische Sänger. Die großen Gesten früherer Tage gelingen ihm nicht mehr, aber sein Publikum weiß er noch zu nehmen. Still sitzen kann er wohl
nicht. Deshalb geht Gilbert Bécaud, 73, immer noch auf Tour. Und wenn er auf der Bühne ist, bleibt er kaum auf dem Klavierstuhl, läuft auf und ab, singt seine Musiker an. Am Ende jedes Liedes stellt er sich an den
Bühnenrand, blickt in die ersten Reihen, die er sehen kann, und empfängt den Beifall. Man merkt ihm an, bei seinem Auftritt im Zirkuszelt des Freiburger ZMF, dass er das braucht: den Blickkontakt, die Reaktionen.
Kein in sich versunkener Künstler, sondern ein Unterhalter, das war Bécaud seit Beginn seiner Karriere. Ein französischer Sänger nach amerikanischem
Vorbild. Mit seiner Mimik, mit der Gestik seiner Arme und Hände dramatisierte er seine Chansons und riss sein Publikum mit. Das ist lange her, heute bleibt es auf der Bühne des ZMF bei Andeutungen, ansonsten müssen
die Lieder, muss die tiefe, raue Stimme wirken. Und sie tun es: Die Arrangements für die fünfköpfige Band lassen viel Raum, in den hinein Bécaud seine berühmten Verse über Liebe und Liebesschmerz, über die
Jahreszeiten und die Vögel singt. Und selbstverständlich auch über Nathalie, die Moskauer Fremdenführerin, und über das wirklich Wichtige: die Rose.
Das einzige deutsche Lied des Abends, ”Lebewohl”, muss Bécaud noch zweimal anstimmen, ehe sein Publikum ihm folgt, bei ”L’important, c’est la rose” singen dann vor allem die
Frauen im Publikum wie ein großer Chor mit. Die Musik, anfangs zu laut ausgesteuert, wirkt mit ihren Akzenten, mit Vögel-Tönen der Flöte und mit den schicksalhaften Schlussakkorden von ”Et maintenant”. Dazwischen
verschwindet Bécaud alle paar Lieder in der Kulisse, um einen Zug an der Zigarette zu nehmen, kehrt mit breitem Lächeln zurück. Auch wenn er nicht mehr wie bei den legendären Auftritten der 50er-Jahre sein Publikum
vom Stuhl reißt, Bécaud verbreitet den Charme eines Sängers alter Schule. Und der wirkt noch.
Thomas Steiner, Badische Zeitung 17.07.01
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